Samstag, 15. März 2014

Freiwillig in die Kälte?

Es ist schon ein bisschen komisch. Die Badesachen einpacken und die Schiunterwäsche aus dem Kastl holen... Müssen wir wirklich schon jetzt zurück nach Europa? Für Februar zeigen die statistischen Wetterkarten nicht gerade berauschende Aussichten. Kalt. Hohe Sturmwahrscheinlichkeit.
Sollen wir nicht doch lieber noch einen Cocktail schlürfen und schöne Strände in der Karibik suchen?

Nix da. Steffi und Hannes sind schon gelandet. Zu viert stürzen wir uns ins Abenteuer. Und auch die Cara Mia freut sich. Der immergleiche Passatwind ist ihr schon fast zu langweilig geworden. Sie will Action. Also Ölzeug herrichten, Schisocken in die Gummistiefel stopfen, Cara Mia sturmsicher machen und Leinen los. Es ist der 17. Februar.

Wir lassen St. Martin und die Karibik hinter uns. Next Stop Azoren.

 Die Route

Immer gerade aus, und vor Bermuda einfach rechts abbiegen. Klingt doch einfach!?
Wie auf der Landkarte zu sehen, gabs eine ganze Weile nichts zu sehen. Ca. 2300 Meilen haben wir vor uns. Aber Achtung. Obwohl wir kein Land in Sicht hatten, zu bewundern gab es genug: Jeden Tag mindestens eine Theatervorstellung. Wolken, Sonne und Wind haben täglich ihre neueste Inszenierung präsentiert. So viele Prämieren,Uraufführungen und beeindruckende Bühnenbilder schafft kein großes Haus. Und wir dürfen das Spektakel aus der ersten Reihe verfolgen.

Das ist Regen. Und er kommt auf uns zu. Also Slalom fahren zwischen den Wolken.
Sonnenuntergang während der ersten Woche
Erwischen uns die Wolkentürme (inkl. Wind und Regen) oder ziehen sie doch vor uns durch?


Wir sind bei abnehmendem Mond gestaretet. Das heißt, die Himmelslaterne geht jede Nacht noch ein bisschen später auf, bis sie irgendwann erst im Morgengrauen auftaucht. Für uns heißt das, täglich längere Sternennächte, aber auch sehr dunkle Nächte.

Abnehmender Mond im Morgengrauen.

In der zweiten Woche düsen wir am Rand des Azorenhochs dahin. Sehr bequem.

 

Ganz normaler Alltag


Essen

...gabs meistens homemade. Favoriten: Kartoffel mit Käse, Reis mit Erbsen, Gemüsesuppe, Auflauf. Das Pizzaservice konnten wir leider bis jetzt noch nicht überzeugen, dass es schön wäre, auch aufs offene Meer zu liefern. Also luden wir uns ab und zu die Chefköche von Maggi und Knorr ein. Sehr beliebt waren Milchreis, Grießschmarrn, Gulasch (kiloweise), Serviettenknödel und Asianudeln. Und eines Abends, es muss ein besonders ruhiger und kuscheliger gewesen sein... gabs Käsefondue.

Kerzen, zum Warmhalten. Unmengen Aufbackbrot. Und Antirutschunterlage für alle.

 Nachts

Später in Horta treffen wir Crews die uns von ihrer Überfahrt erzählen. Abends schalten sie das Radar ein, verkleinern die Segelfläche, singen dem Autopilot ein Schlaflied und legen sich dann aufs Ohr. Ganz so wars bei uns nicht. Wir steuern fast nur per Hand. Das heißt, Zwei schlafen und Zwei passen aufs Schiff auf, steuern, stellen die Segel ein, fahren zwischen den Wolken Slalom und suchen ab und zu nach andere Schiffen. Die Uhr am Cockpittisch gibt den Rhythmus vor. Halbe Stunde steuern, halbe Stunde dösen. Klingt komisch? Macht trotzdem Spaß.

 
Wachuhr.
Das wäre der richtige Kurs.
Eines Tages verkünde ich in der Früh stolz, dass wir jetzt wirklich weit draußen sind. Die kleine Insel Bermuda ist das näheste Land und über 500 sm entfernt. Rundherum also nix nix nix. Dachten wir...

Falsch gedacht. Die kommenden zwei Nächte haben wir damit verbracht, zwischen asiatischen, rostigen Fischkuttern zick zack zu fahren. Wirklich fast nicht zu glauben.

 

Bewegungsdrang

Ende der ersten Woche wollte Roland schwimmen. Um sein Bedürfnis halbwegs glaubhaft vorzubringen entwickelte er eine recht gefinkelte Geschichte. Komische Vibrationen an der Schraube? Ev. eine Leine gefangen? Verbogene Schraube? Also, Segel runter, Gurt an und ab ins, mittlerweile schon kühlere Nass. Und weil es so überzeugend gut ausgesehen hat, 3000 Meter über dem Grund zu plantschen, haben wir uns schlussendlich alle in den Gurt geworfen und ein Salzwasserbad inkl. Wellen und schaukelndem Schiff genossen. Genial wars! Und die Schraube? Der gehts natürlich bestens.

Im größten Schwimmbad der Welt schwimmt sichs doch am schönsten.

Fliegender Fisch Alarm. Riesig und ziemlich riskante Flugbahn. Knapp an unserm Kopf vorbei. Bevorzugt Nachts.

Richtiges Outfit

 

Abendgarderobe in Gore-Tex. Hält warm und trocken. Gegen Ende auch untertags "Ölzeugpflicht", da sonst zu kalt.
Unser Schiffswohnzimmer wird im Laufe der Reise vielfach umfunktioniert. Trocken- und Lagerraum inkl. Sockenbelüftungsmaschine (Mitte). Meterologisches Zentrum, Kommunikationsschnittstelle (inkl. Satellitentelefon) und Headquater vorne rechts. Hinten links Lagerraumkabine. Vom Ersatzmüllsackerl, Wasserkanister, Melone und Zwiebel ist alles zu finden (wenn man nur lange genug sucht).


Und so hat sichs gesegelt:

Bis 300 Meilen unter den Bermudas düsen wir mit Wind von der Seite dahin. Schöner gehts fast nicht.

Dann leichte Flaute und später unbeständiger, kälter und ab und zu Regen inkl. Böen.




Und die zweite Woche düsen wir in einem schmalen Band, am Rand des Azornhochs dahin. Rechts von uns wenig Wind und Flaute. Links Tiefs und Sturm. Wir bleiben in der Mitte und genießen die Reise.

Für das letzte Viertel der Reise  verkündet der Wetterbericht Ungemütlicheres. Regen, viel Wind. Direkt über den Azoren. Also ändern wir unseren Plan um dem schlechten Wetter zu entwischen. Eine andere Insel? Nein, ganz einfach: schneller Segeln. Nie unter sechs Knoten Durchschnittsgeschwindigkeit! Also wurde fleißig ausgerefft, Spi ausgepackt und gerast.



Angekommen

Und so haben wir es wirklich geschafft. Ein paar Stunden vor dem schlechten Wetter in Rekordzeit, am 6. März, 07.06 Uhr Ortszeit sind wir in Horta auf der Insel Faial, Azoren eingelaufen. Nach nur 17 Tagen, ohne Sturmsegel zu setzen und das im Februar.
Schon stolz waren wir ;-)


Horta ist bekannt für die bunt bemalenen Hafenmauern. Und die Cara Mia am Steg. Nach nur 17 Tagen.


Ein geniales Team.
... und die Fotos zur Horta-Hafenkunst gibt's dann übermorgen.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

suuuuuuuuuuper leistung habts ihr da abgeliefert :D

wenns nur halb so toll war wie du es hier insziniert hast dann wars sicher toll ;-)

vlg Mr. "nächstes mal besorg ich ein beiboot" :-p

Christopher hat gesagt…

Ich sollte diesen Blog eigentlich aus Selbstschutz gar nicht lesen. Ich krieg da sooooooo Fernweh, dass es weh tut!
Und jetzt oute ich mich: ich bin ein echter Fan, ein richtiger!
Hut ab!
GLG Christopher